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Appenzell

Dein Kind wird zum Helden einer Geschichte, die in Appenzell spielt — an echten Wahrzeichen der Stadt, in den vertrauten Gassen, vor den Gebäuden, die es aus dem Alltag kennt.

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Historische Geschichten aus Appenzell

Echte Geschichten aus der Vergangenheit von Appenzell — wähle eine und dein Kind übernimmt eine Rolle

Das Schwert, das wählen wollte

Ein Kind findet ein rostiges altes Seitengewehr auf dem Dachboden eines Fachwerkhauses. In dem Moment, als es das Schwert hebt, wird es durch Jahrhunderte der Landsgemeinde transportiert -- den ersten Eid von 1409, die schmerzhafte Teilung von 1597 und den historischen Tag im April 1991, an dem Frauen zum ersten Mal die Hand erhoben. An jeder Station lehrt das Schwert das Kind, was Demokratie kostet und warum man sie nie als selbstverständlich betrachten darf.

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Die Landsgemeinde ist die älteste und direkteste Demokratieform der Schweiz -- eine jährliche Versammlung unter freiem Himmel, bei der jeder stimmberechtigte Bürger durch Handerheben abstimmt. Die Appenzeller Landsgemeinde trat vermutlich erstmals 1378 zusammen, urkundlich belegt seit 1403. Sie findet jeden letzten Sonntag im April auf dem Landsgemeindeplatz in Appenzell statt, mit rund 3000 Stimmberechtigten. Traditionell tragen die Männer ein Seitengewehr als Symbol des Stimmrechts. Der Bürgereid stammt von 1409 und hat im Wesentlichen denselben Wortlaut bis heute. Am 8. September 1597 trennte der Landteilungsbrief Appenzell in das katholische Innerrhoden und das protestantische Ausserrhoden. Am 28. April 1991 nahmen Frauen erstmals an der Landsgemeinde teil.

Das Geheimnis der 25 Kräuter

Ein junger Käserlehrling muss alle 25 Kräuter für die geheime Sulz vor Sonnenuntergang finden. Geführt von einer schelmischen Ziege, die jedes Versteck auf den Alpwiesen kennt, sammelt das Kind 24 Kräuter -- doch das letzte, seltenste wächst nur nahe dem Gipfel des Säntis auf 2500 Metern. Ein Wettlauf gegen das schwindende Licht und eine Lektion darüber, warum die besten Geheimnisse jene sind, die es wert sind, gehütet zu werden.

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Appenzeller Käse hat eine dokumentierte Geschichte von über 700 Jahren, erstmals erwähnt in einem Dokument von 1282, als die Appenzeller Käse als Zehntabgabe an die Mönche der Abtei St. Gallen lieferten. Einzigartig ist die geheime Kräutersulz, die während der Reifung auf jedes Rad aufgetragen wird -- ein Rezept aus 25 verschiedenen Kräutern, Wurzeln, Blättern, Blüten, Samen und Rinden, gemischt mit Weinhefe. Früher entwickelte jeder Bauer seine eigene Sulz. Heute gibt es nur noch ein offizielles Rezept, das streng gehütet wird. Jedes Rad wird regelmässig während mindestens drei Monaten von Hand eingerieben. Rund 50 Sennereien produzieren noch Appenzeller. Der Säntis (2501,9 m) ist der höchste Gipfel im Alpstein, von dem an klaren Tagen sechs Länder sichtbar sind.

Die Bären vom Wildkirchli

Ein Kind, das die Ebenalp-Höhlen erkundet, stört versehentlich etwas Uraltes auf und weckt den Geist eines 40000 Jahre alten Höhlenbären. Der verwirrte Bär erinnert sich an Gletscher, weite Wälder und eine Welt vor den Menschen -- doch nun haben die Felsen eine Kapelle, ein Gasthaus und eine Seilbahn. Das Kind muss dem grossen Bären helfen, sich in einer völlig veränderten Landschaft zurechtzufinden, und Frieden in der Erkenntnis finden, dass der Berg selbst auch nach 40 Jahrtausenden Bestand hat.

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Die Ebenalp (1644 m) ist eine eindrucksvolle Felswand im Alpsteinmassiv, erreichbar mit der Seilbahn ab Wasserauen. In den Fels gehauen sind die Wildkirchli-Höhlen -- vier Höhlenräume auf 1477-1500 m Höhe. 1903-1908 entdeckte Archäologe Emil Bächler Feuersteinwerkzeuge vom Mousterien-Typ und bewies erstmals, dass Neandertaler vor rund 40000 Jahren im Alpenraum lebten. Die unterste Hohlenschicht enthielt Knochen von etwa 800 Einzeltieren, hauptsächlich Höhlenbären sowie Höhlenlöwer und Wölfe. Im Mittelalter hielt man die grossen Knochen für Drachenknochen. 1658 gründete der Priester Paulus Ulmann eine Kapelle und Einsiedelei; der letzte Eremit starb 1851. Das angrenzende Berggasthaus Äscher, um 1800 erbaut, ist eines der ältesten Berggasthäuser der Schweiz.

Der Alpaufzug

Eine schüchterne Schellenkuh namens Lotti weigert sich, den herbstlichen Alpabzug anzuführen -- sie hat Angst, dass ihre drei Schellen falsch klingen. Ein Kind muss Lotti das Rugguusseli beibringen, die uralte wortlose Melodie der Appenzeller Sennen, damit Kuh und Schellen in perfekter Harmonie lauten. Während das ganze Tal auf den Klang der heimkehrenden Herde lauscht, entdeckt Lotti, dass Mut nicht das Fehlen von Angst ist, sondern der erste Schritt bergab.

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Der Alpaufzug (Mai-Juni) und Alpabzug (Mitte August bis Ende September) gehören zu Appenzells bekanntesten Traditionen, anerkannt als immaterielles Kulturerbe der Schweiz im UNESCO-Programm Lebendige Traditionen. Die Schellenkühe tragen drei aufeinander abgestimmte Schellen -- beschrieben als 'die einzigen Instrumente der Welt, die von Kühen gespielt werden.' Der Alpmeister trägt die traditionelle Festtracht mit gelben Kniehosen und roter Weste und trägt den Fahreimer mit kunstvoll bemaltem Boden über der Schulter. Hinter den Schellenkühen singen und jodeln vier Sennen die wortlosen Alpmelodien namens Rugguusseli. Die Kühe verbringen 8 bis 12 Wochen auf den Alpweiden, bevor der herbstliche Abzug als Dankesfest für eine unfallfreie Saison gefeiert wird.

Das bemalte Haus, das lebendig wurde

Um Mitternacht steigen die Bauernmalerei-Figuren von einer Fassade an der Hauptgasse aus ihrer bunten Welt. Staunend beobachtet ein Kind, wie winzige gemalte Bauern, Kühe und Sennen in einem Miniatur-Alpaufzug durch die mondhellen Gassen ziehen. Das Kind schliesst sich dem Zug an und muss den gemalten Figuren helfen, ihre Alpweide vor der Morgendämmerung zu erreichen, die sie zurück an die Wand bannt -- und entdeckt, dass die Geschichten, die ein Dorf auf seine Häuser malt, jene sind, die es nie vergessen will.

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Das Dorf Appenzell ist berühmt für seine bunt bemalten Hausfassaden, besonders entlang der autofreien Hauptgasse -- in kräftigen Rosa-, Grün-, Orange- und Gelbthönen. Die Tradition soll als Wettbewerb begonnen haben, zürst beim Kreuz, dann beim Raben. Die bemalten Fassaden gehören zur Bauernmalerei oder Senntumsmalerei, einer naiven Kunstform, die einzigartig für die Region Appenzell ist. Als Begründer gilt Conrad Starck (1769-1817) aus Gonten, der das Leitmotiv des Alpaufzugs prägte. Bartholomäus Lämmler (1809-1865) schuf die Sennenstreifen -- lange, schmale Panoramabilder von Alpaufzügen auf Papier oder Holz.

Theresias Stimme

Ein Mädchen reist zurück in den April 1991 und steht in der Menge auf dem Landsgemeindeplatz neben Theresia Rohner, der mutigen Töpferin, die jahrelang dafür kämpfte, dass Frauen neben Männern die Hand erheben dürfen. Während Tausende den uralten Bürgereid unter freiem Himmel sprechen, sieht das Mädchen, wie Theresia zum allerersten Mal die Hand hebt -- und lernt, dass die schwierigsten Abstimmungen jene sind, die Geschichte schreiben.

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Die Schweiz führte das Frauenstimmrecht auf Bundesebene am 7. Februar 1971 ein, doch Appenzell Innerrhoden weigerte sich. Die rein männliche Landsgemeinde stimmte 1973, 1982 und erneut im Frühjahr 1990 mit Nein. Nach der dritten Ablehnung reichte Theresia Rohner, eine Töpferin Mitte 30 und Mutter von zwei Kindern, zusammen mit rund 100 Frauen eine Klage beim Bundesgericht in Lausanne ein. Am 27. November 1990 urteilte das Bundesgericht einstimmig, das ausschliesslich männliche Stimmrecht sei verfassungswidrig. Am 28. April 1991 nahmen Frauen erstmals an der Landsgemeinde teil. Der Sieg hatte seinen Preis: Theresia Rohners Töpferwerkstatt wurde mit Steinen beworfen, und sie brauchte Polizeischutz. Appenzell Innerrhoden war die letzte Gebietskörperschaft in Europa, die das Frauenstimmrecht einführte.

Die Holzform des Biberli-Bäckers

Ein Kind entdeckt auf dem Dachboden einer Bäckerei eine antike Holzform für Biberli aus dem Jahr 1824. Als es den Honigteig in die geschnitzte Form drückt, werden die Figuren lebendig -- ein kleiner Bär, ein Senn mit seinem Eimer, eine tanzende Ziege. Das Kind muss die klebrigen, nach Honig duftenden Ausbücher einfangen und vor der Eröffnung des Weihnachtsmarkts in die Form zurückbringen -- und lernt, dass die besten Traditionen mit Geduld gebacken werden, nicht mit Magie.

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Der Appenzeller Biber und die kleinere Version Biberli sind traditionelle Honig-Lebkuchen mit Mandelfüllung, eine Spezialität der Region Appenzell mit fast 500-jähriger Geschichte. Jedes Gebäck wird mit handgeschnitzten Holzformen geformt, die filigrane Muster einprägen -- Schweizer Figuren, Wappen, Dorffeste oder lokale Symbole. Die älteste bekannte Form stammt von 1824. Die Bischofberger AG in Weissbad ist der bekannteste Hersteller; die Marke Bärli-Biber wurde bereits 1957 eingetragen. Die Bäckerei Böhli in Appenzell hat zwei Goldmedaillen bei der Swiss Bakery Trophy gewonnen. Der Biber wird traditionell zum Kaffee genossen und ist besonders in der Weihnachtszeit beliebt.

Die Münze in der Schale

Ein Kind entdeckt ein Fünffrankenstück, das, in einer Talerschwingen-Schale gedreht, ein schimmerndes Portal zum 17. Juni 1405 öffnet -- der Schlacht am Stoss. Die Appenzeller, die unter ihrem Banner des zörnigen Bären kämpfen, sind in der Unterzahl und brauchen eine Stimme mehr, um den Siegesjutz zu vollenden, der über die Berge hallt und die Verteidiger an den Letzinen sammelt. Das Kind muss seinen Mut finden und seine Stimme der uralten Melodie hinzufügen, bevor sich das Portal schliesst.

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Talerschwingen ist eine einzigartige Appenzeller Tradition: Ein Künstler lässt eine Fünffrankenstück-Münze am Innenrand einer Keramikschale kreisen und erzeugt einen summenden harmonischen Begleitklang zum Jodeln. Die Schalen erzeugen Intervalle, die Schellenklange entsprechen, oft E-G-A-Dreiklänge. Die Volksmusik Appenzells ist im UNESCO-Programm Lebendige Traditionen anerkannt. In der Schlacht am Stoss am 17. Juni 1405 fingen die Appenzeller unter ihrem Banner des zörnigen Bären die österreichische Armee hinter Verteidigungswallen namens Letzinen ein und zwangen sie zum Rückzug -- ein entscheidender Sieg in den Appenzeller Kriegen für die Unabhängigkeit von der Abtei St. Gallen. Am 17. Dezember 1513 trat Appenzell als dreizehnter Vollkanton der Eidgenossenschaft bei.

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